SDG3 -Ernährungsmedizinische Aspekte im UniNEtZ

UniNEtZ-Newsfeed: SDG 3

(Ernährungsmedizinische Aspekte im UniNEtZ)

von Stefan Mayer und Katharina Mair (Innsbruck 03.01.2020)

In Folgenden geben wir einen kurzen Einblick in unsere Arbeit zum SDG 1, unsere strategischen und konzeptuellen Überlegungen sowie methodischen Ansätze. Der Text ist bitte als vorläufiges Erzeugnis zu verstehen. Aufgrund der erweiterten Zugänglichkeit und des Austausches, wurde dieser Artikel auf Englisch verfasst mit einer längeren deutschen Zusammenfassung.

This paper is meant to give a brief overview of our work on SDG 1, our strategic, conceptual and methodological considerations. Please understand this text as work in progress, i.e. all areas are subject to change. To include a wide range of scientists and experts on the international topic of SDG1 (Poverty Reduction) we decided to write this newsfeed in English with a longer German summary.

Die Weltbevölkerung gerecht mit nachhaltigen, gesunden und vor allem ausreichend nahrhaften Lebensmitteln zu versorgen stellt eine große Herausforderung dar. Über die Frage, was gesunde Ernährung überhaupt ausmacht, wird heute mit zunehmendem Enthusiasmus diskutiert. Pseudowissenschaftliche Ernährungstrends wechseln in immer kürzeren Abständen und nehmen teils abstruse Ausmaße an, meist mit dem Ziel, die Folgen von Überernährung möglichst verzichtsfrei auszugleichen. Demgegenüber steht die unzureichende Versorgungssituation in zahlreichen Ländern, in denen Millionen von Menschen nach wie vor täglich mit Hunger und Unterernährung kämpfen. Die Ernährungsmedizin kann Antworten zum Thema „Gesunde Ernährung“ liefern und damit einen großen Beitrag zur Verhinderung von ernährungsbedingten Todesfällen leisten. Sie kann aber die Verteilungsungerechtigkeit, die auf der Welt besteht, nicht ausgleichen.

Die WHO nennt als die häufigsten Folgeerkrankungen von Fehlernährung koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Erkrankungen, diverse Krebserkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Gallensteine, Karies, gastrointestinale Störungen und verschiedene Knochen- und Gelenkserkrankungen.1
2017 wurden global ca. 11 Millionen Todesfälle und 255 Millionen DALYs (disability adjusted life years) ernährungsspezifischen Risikofaktoren zugeschrieben. Die Hauptursachen für diese vermeidbaren Todesfälle sind hoher Salzkonsum (ca. 3 Millionen Tote und ca. 70 Millionen DALYs), geringer Konsum von Vollkornprodukten (3 Millionen Tote und 82 Millionen DALYs) und Früchten (2 Millionen Tote und 65 Millionen DALYs) [Abb. 1].2

Abb. 1: Number of deaths and DALYs and age-standardised mortality arte and DALY rate (per 100 000 population) attributable to individual dietary risks at the global and SDI level in 2017
DALY=disability-adjusted life-year
SDI=Socio-demographic Index

Mit einer bewussten, an die individuelle Lebenssituation angepassten und vor allem ausgewogenen Ernährung kann nicht nur die Lebensqualität gesteigert, sondern auch eine Vielzahl an nicht übertragbaren Erkrankungen (NCDs) verhindert werden. Dieser präventive Aspekt zeigt sich deutlich am Beispiel des regelmäßigen Konsums von Obst und Gemüse, der das Risiko für Hypertonie, koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall mit überzeugender Evidenz und das Risiko für Krebserkrankungen mit wahrscheinlicher Evidenz senkt.3
Diese Daten veranschaulichen, welchen Einfluss die Ernährung auf die Lebenserwartung, Lebensqualität und das Krankheitsprofil des Einzelnen sowie auf das gesamte Gesundheitssystem hat.

In Österreich stellen besonders Über- und Mangelernährung ein massives Gesundheitsproblem dar.
41 % der Erwachsenen sind übergewichtig oder adipös. Hierbei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Untergewicht findet sich besonders bei jungen Frauen. Es sind allerdings alle Geschlechts- und Altersklassen in unterschiedlichem Ausmaß von Fehlernährung betroffen.4 Die Ursachen dieser sind multifaktoriell bedingt und bedürfen einer genauen Systemanalyse.

Die Ernährungsweise der Bevölkerung stellt jedoch nur einen Teilbereich der zu beantwortenden Fragen dar. Weitere Herausforderungen, mit denen sich das SDG 3 (zum Teil in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen des SDG 2) beschäftigt, sind unter anderem die Auswirkungen der Anwendung von Pestiziden und Medikamenten in der Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit, die Möglichkeiten neuer Lebensmittelproduktionswege und epidemiologische bzw. Hygieneaspekte.

Zur Lösung der aktuellen Problematik braucht es also einen integrativen und multisystemischen Ansatz: Der ernährungsspezifische Arbeitsfokus bei Target 3.4 beinhaltet neben der Identifikation der national größten Gesundheitsrisiken durch Fehlernährung und deren Adressierung (Maßnahmen der medizinischen Primärprävention) auch psychologische (Konsumverhalten, Auswirkung von Werbung), technische (alternative Möglichkeiten zur Nahrungsmittelproduktion), hygienische (Kontamination v. Lebensmitteln und Trinkwasser) und ökonomische (Regulation von Produktionsbetrieben) Maßnahmen.

Das SDG 3 beschäftigt sich besonders im Rahmen des Subtargets 3.4 „Bis 2030 die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten durch Prävention und Behandlung um ein Drittel senken und die psychische Gesundheit und das Wohlergehen fördern“ intensiv mit dem Thema medizinische Primärprävention von NCDs und der dadurch notwendigen Einführung einer nachhaltigen Medizin. Die Ernährungsmedizin spielt dabei eine tragende Rolle. Es wurde bereits mit einer Arbeitsgruppe des SDG 2 korrespondiert und ein Workshop zum Thema „Gesunde Ernährung“ abgehalten, bei dem ein reger Austausch stattgefunden hat und sowohl über inhaltliche Themen und Schwerpunktsetzung als auch über den Prozess sowie das methodische Vorgehen gesprochen wurde. Das SDG 3 betont die Wichtigkeit solcher Austauschtreffen, weitere enge Zusammenarbeit in diesem Bereich ist geplant, um medizinische Expertise zur Lösung der Hungerproblematik beizusteuern und umgekehrt zusätzliche gesellschaftspolitische und sozioökonomische Expertise bei der Prävention von NCDs zu bekommen.

  1. Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. World Health Organization Technical Report Series. (1990, abgerufen am 10.12.2019)
  2. Afshin, Ashkan & Sur, Patrick & Fay, Kairsten & Cornaby, Leslie & Ferrara, Giannina & Salama, Joseph & Mullany, Erin & Abate, Kalkidan & Cristiana, Abbafati & Abebe, Zegeye & Afarideh, Mohsen & Aggarwal, Anju & Agrawal, Sutapa & Akinyemiju, Tomi & Alahdab, Fares & Bacha, Umar & Bachman, Victoria & Badali, Hamid & Badawi, Alaa. (2019). Health effects of dietary risks in 195 countries, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. The Lancet. 393. 1958-1972. 10.1016/S0140-6736(19)30041-8.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Stellungnahme „Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten“ 2012, abgerufen am 14.12.2019
  4. Österreichischer Ernährungsbericht, abgerufen am 11.12.2019 https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=528
  5. Allgemein: Nationaler Aktionsplan Ernährung inkl. Maßnahmenübersicht und Planung 2013:
    https://www.sozialministerium.at/dam/jcr:a3936a95-f759-4cdd-ad1e-5b6dae65a76c/nap.e_20130909.pdf
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