SDG 3 – Essay eines jungen Mediziners 

UniNEtZ-Newsfeed: SDG 3

(Wie die UN-Nachhaltigkeisagenda meinen Arbeitsplatz im Jahr 2030 prägen könnte)

von Stefan Mayer, Student der Humanmedizin an der MUI (Ibk. 22.05.2019)

Es sind hehre Ziele, die sich die Weltgemeinschaft im September 2015 gesetzt hat. Wer sich mit den 17 SDGs (sustainable development goals) befasst, bekommt schnell den Eindruck: Hier werden Forderungen gestellt, die nicht mit einem Fingerschnippen erfüllt werden können. Die Vision ist keine Geringere als die Schaffung einer nachhaltigen und für künftige Generationen lebenswerten Welt. Diese Umstellung wird neben vielen Maßnahmen auch eine Anpassung unserer Lebensweise erfordern, doch viele Menschen fürchten sich vor einem radikalen Wandel und vor dem Verlust von Freiheit und Lebensqualität. Die Umsetzung der SDGs verspricht aber das genaue Gegenteil: Eine Welt, in der niemand auf der Strecke bleiben soll. Gerade deshalb möchte ich im Rahmen meiner Mitarbeit am SDG 3 für Gesundheit und Wohlergehen selbst Hand anlegen und einen Wandel mitgestalten, der mich als Medizinstudent besonders in meiner späteren ärztlichen Tätigkeit unmittelbar betreffen wird. Ich hoffe dabei auf nachhaltige Verbesserungen in der medizinischen Versorgungsqualität auf der ganzen Welt.

Bislang kämpfen Spitalsbedienstete und niedergelassenes Gesundheitspersonal mit einer Vielzahl an Problemen, die oft strukturell bedingt sind. Wenig Zeit für die PatientInnenbetreuung, hoher Dokumentationsaufwand, aber auch die psychischen und emotionalen Belastungen, die der Alltag im Umgang mit PatientInnen mit sich bringt, sind nur wenige der täglichen Herausforderungen, mit denen meine Berufsgruppe auch in Österreich konfrontiert ist. Das wirkt sich auf die eigene physische und psychische Gesundheit aus. Aber was bringen die SDGs der Vereinten Nationen dem Gesundheitspersonal?

Wohl eines der größten Probleme, die ein Arzt/eine Ärztin haben kann, ist, PatientInnen nicht optimal versorgen zu können, sei es aus finanziellen oder personellen Gründen oder auch aus Gründen der erforderlichen Expertise. In den SDG 3 beschäftigen sich die meisten Targets damit, die bestmögliche medizinische Versorgung für alle Menschen zu gewährleisten. Viele verschiedene Maßnahmen werden hier erforderlich sein und es ist wichtig, hier die erforderlichen Mittel in das Gesundheitssystem fließen zu lassen, um in Ausbildung, Ausrüstung und Zugänglichkeit zu lebenswichtigen Medikamenten weltweit nachzubessern und zu sichern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, für genügend Nachwuchs im Bereich der Medizin zu sorgen. Dies ist ein weltweites Problem, das insbesondere in Österreich adressiert werden muss. Ausreichend medizinisches Personal ist essenziell für einen leistbaren Klinikalltag und für eine qualitativ hochwertige PatientInnenversorgung. Auch die Ausbildung von JungärztInnen muss im Klinikalltag von FachärztInnen geleistet werden, was durch eine Unterbesetzung leider oft auf der Strecke bleibt. Ich hoffe im Rahmen einer Kooperation der SDG 3 und 4 auf weitreichende Maßnahmen in diesem Bereich.

Weiters freue ich mich auf Besserungen in der internationalen Vernetzung, die die weltweite medizinische Expertise auf ein neues Niveau heben können. Dies betrifft unter anderem die SDGs 3, 9 und 17, damit Forschungsfragen, aber auch klinische Probleme in Fachgruppen auf internationaler Ebene diskutiert werden können und bei Bedarf rasch ExpertInnen in aller Welt hinzugezogen werden können. Die Möglichkeit der Telemedizin wird hier wohl eine wichtige Rolle spielen. Besonders in Krisensituationen wie Naturkatastrophen könnte ein solcher rascher Austausch ein wichtiges Instrument sein, internationale Hilfe rasch an den richtigen Ort bringen zu können.

Nicht zu vernachlässigen sind schließlich auch die Maßnahmen zur Reduktion von gesellschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in der Bevölkerung, die im Krankenhaus spürbare Erleichterungen bringen werden und die Kommunikation sowohl im interdisziplinären Team als auch mit PatientInnen einfacher und spannungsfreier machen werden. Maßnahmen zur Gewaltprävention werden hier ein Faktor sein, der im klinischen Setting einen großen Unterschied machen wird.

Dies ist natürlich nur ein kleiner Einblick in die möglichen Veränderungen. Die Arbeit an den SDGs ist eine, von der alle Menschen profitieren. Es gilt jetzt, die gesteckten Ziele zu erreichen und dabei auch die Ängste der Menschen anzusprechen, die sich vor zukünftigen Veränderungen fürchten. Ich freue mich auf die Arbeit daran und auf die großen Fortschritte, seien sie struktureller oder technologischer Natur, die in Zukunft meinen Arbeitsalltag erleichtern werden und die bestmögliche und nachhaltig gestaltete Versorgung meiner zukünftigen PatientInnen sichern werden.

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