/SDG 15: Leben an Land

Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen

Icon SDG15

Leitung:

Georg Gratzer
Universität für Bodenkultur Wien
Tel: +43 1 47654 91215
georg.gratzer@boku.ac.at

Kontakt:

Sophia-Marie Horvath
Universität für Bodenkultur Wien
Tel: +43 1 47654 91222
sophia.horvath@boku.ac.at

Die Agenda 2030

Der Bericht „The Future is Now”, der von einer Gruppe unabhängiger Wissenschaftler_innen im Auftrag des UN-Generalsekretärs zur Ermittlung des Umsetzungsstatuses der Agenda 2030 verfasst wurde, identifiziert sechs Eintrittspforten in die Transformation (Independent Group of Scientists appoined by the Secretary-General, 2019). Eine davon sind die Globalen Umwelt-Commons (globale Umweltalmenden). SDG 15, also terrestrische und Süßwasserökosysteme und deren Arten, sowie die Diversität derer, stellen einen zentralen Punkt dieser Eintrittspforte dar. Der Schutz und die Wiederherstellung von Arten und deren Lebensräumen (und damit die Erreichung von SDG 15) ist also ein Wesentliches Mittel zur Transformation und kann sich auch positiv auf die Erreichung anderer Ziele der Agenda 2030 auswirken, wenn auf vorhandene Interaktionen (Synergien und Trade-offs) ausreichend Rücksicht genommen wird.

Die Targets des SDG 15:

15.1 Bis 2020 im Einklang mit den Verpflichtungen aus internationalen Übereinkünften die Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der Land- und Binnensüßwasser-Ökosysteme und ihrer Dienstleistungen, insbesondere der Wälder, der Feuchtgebiete, der Berge und der Trockengebiete, gewährleisten

15.2 Bis 2020 die nachhaltige Bewirtschaftung aller Waldarten fördern, die Entwaldung beenden, geschädigte Wälder wiederherstellen und die Aufforstung und Wiederaufforstung weltweit beträchtlich erhöhen

15.3 Bis 2030 die Wüstenbildung bekämpfen, die geschädigten Flächen und Böden einschließlich der von Wüstenbildung, Dürre und Überschwemmungen betroffenen Flächen sanieren und eine Welt anstreben, in der die Landverödung neutralisiert wird

15.4 Bis 2030 die Erhaltung der Bergökosysteme einschließlich ihrer biologischen Vielfalt sicherstellen, um ihre Fähigkeit zur Erbringung wesentlichen Nutzens für die nachhaltige Entwicklung zu stärken

15.5 Umgehende und bedeutende Maßnahmen ergreifen, um die Verschlechterung der natürlichen Lebensräume zu verringern, dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende zu setzen und bis 2020 die bedrohten Arten zu schützen und ihr Aussterben zu verhindern

15.6 Die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile und den angemessenen Zugang zu diesen Ressourcen fördern, wie auf internationaler Ebene vereinbart

15.7 Dringend Maßnahmen ergreifen, um der Wilderei und dem Handel mit geschützten Pflanzen- und Tierarten ein Ende zu setzen und dem Problem des Angebots illegaler Produkte aus wildlebenden Pflanzen und Tieren und der Nachfrage danach zu begegnen

15.8 Bis 2020 Maßnahmen einführen, um das Einbringen invasiver gebietsfremder Arten zu verhindern, ihre Auswirkungen auf die Land- und Wasserökosysteme deutlich zu reduzieren und die prioritären Arten zu kontrollieren oder zu beseitigen

15.9 Bis 2020 Ökosystem- und Biodiversitätswerte in die nationalen und lokalen Planungen, Entwicklungsprozesse, Armutsbekämpfungsstrategien und Gesamtrechnungssysteme einbeziehen

15.a Finanzielle Mittel aus allen Quellen für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme aufbringen und deutlich erhöhen

15.b Erhebliche Mittel aus allen Quellen und auf allen Ebenen für die Finanzierung einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder aufbringen und den Entwicklungsländern geeignete Anreize für den vermehrten Einsatz dieser Bewirtschaftungsform bieten, namentlich zum Zweck der Walderhaltung und Wiederaufforstung

15.c Die weltweite Unterstützung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Wilderei und des Handels mit geschützten Arten verstärken, unter anderem durch die Stärkung der Fähigkeit lokaler Gemeinwesen, Möglichkeiten einer nachhaltigen Existenzsicherung zu nutzen

Alle Targets werden vom UniNEtZ wissenschaftlich durchleuchtet und es werden hierzu Optionen zur Erfüllung dieses Targets bis 2030 erarbeitet.

Zur Situation in Österreich

Der Verlust und die Gefährdung von Arten und Lebensräumen und die Belastung der Böden sind die maßgebenden Themen von SDG 15. Diese haben auch für Österreich eine hohe Relevanz. In der UniNEtZ Arbeitsgruppe zu SDG 15 wurden konkrete Handlungsoptionen erarbeitet, die zur Lösung dieser Probleme beitragen, möglichst ohne dass sich negative Auswirkungen auf die Erreichung anderer Ziele ergeben.

Besonders der Verlust und die Gefährdung von Arten und Lebensräumen, die in Unterziel 15.5 adressiert werden, ist derzeit eines der größten Probleme weltweit (siehe dazu auch IPBES, 2019). Für Österreich fehlen genaue Zahlen, jedoch sind auch hier die Hinweise auf einen stark negativen Trend sichtbar. Neben der Intensivierung der Landnutzung und der Nutzungsaufgabe extensiv bewirtschafteter Flächen stellt Flächenversiegelung einen wichtigen Faktor für den Verlust von Lebensräumen und die Gefährdung von Arten dar (Essl at al., 2018). Diese ist in Österreich besonders hoch (Eurostat, 2019; Umweltbundesamt, 2021).

Für Österreich wurde im Rahmen des UniNEtZ der Status quo der Erreichung von Ziel 15 unter Einbeziehung von telecoupling Effekten, also Externalisierungen von Biodiversitätsbelastungen durch heimische Produktion (z.B. durch Importe von Soja-Futtermitteln für die Viehzucht) oder heimischen Konsum dargestellt. Daraus wurden Handlungsoptionen erarbeitet, die zur Zielerreichung beitragen. Dabei werden Auswirkungen auf andere Ziele berücksichtigt um positive Verstärkungseffekte (Synergien) zu Nutzen und negative Effekte (Trade-offs) zu vermeiden.

Optionenliste

(basierend auf dem zu veröffentlichenden Optionenbericht)

Die durch die SDG-Gruppen ausgearbeiteten Optionen sollen als Vermittlung an die Bundesregierung fungieren, welche konkreten Optionen von Österreich gesetzt werden können, um die Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals umzusetzen. Der Optionenbericht wird am 02.12.2021 veröffentlicht.

  • Option 15.1: Ökologisierung der Landwirtschaft
  • Option 15.2: Rettungsinseln für die Natur: Ökoflächen in der Land- und Forstwirtschaft zur Bewältigung der Biodiversitätskrise
  • Option 15.3: Ökologisierung der Landnutzung - Boden
  • Option 15.4: Nachhaltige Waldbewirtschaftung – Naturschutzelemente im Wirtschaftswald
  • Option 15.5: Entwicklung und Förderung von Agroforstwirtschaft als Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Landnutzung
  • Option 15.6: Schutz von Fließgewässern (Feuchtgebieten & Mooren) in den Gebirgen und Erhalt ökologisch wertvoller Lebensräume
  • Option 15.7: Arten- und Habitatschutz im urbanen Raum
  • Option 15.8: Normative Festlegung einer umfassenden nationalen Liste invasiver gebietsfremder Arten von Bedeutung für Österreich entsprechend der gegebenen europäischen Rahmenbedingungen zur Sicherung der österreichischen biologischen Vielfalt
  • Option 15.9: Neudenken des Naturschutzes
  • Option 15.10: Neudenken des Bodenschutzes
  • Option 15.11: Evaluierung des öffentlichen Steuer- und Förderungssystems hinsichtlich Synergien und Trade-offs mit den Zielen der Österreichischen Biodiversitäts-Strategie
  • Option 15.13: Biodiversitätsforschung stärken
  • Option 15.14: Bildungsinitiative Naturschutz und Biodiversität: Bildungsziel „Natural Natives“
  • Option 15.15: Wie verwenden wir das Land: Festlegen einer verbindlichen Regionalplanung auf Ebene der Bundesländer zur Verminderung von Flächenverlusten
  • Option 15.16: Einschränken neuer Baulandwidmungen
  • Option 15.17: Mainistraming von Biodiversitätsagenden in Bioökonomie- und Klimaschutzstrategien, -maßnahmen und -forschung

UniNEtZ-Netzwerk

Leitung

  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU): Georg Gratzer, Sophia-Marie Horvath (Co-Leitung)

Mitwirkung

  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU): Monika Kriechbaum, Thomas Lindenthal, Helga Pülzl, Stefanie Linser, Franz Fehr, Harald Vacik, Margit Seiberl, Andreas Melcher, Bernhard Splechtna, Harald Meimberg, Florian Borgwardt (BOKU/UBA)
  • Donau-Universität Krems (DUK): Andrea Höltl, Tanja Lumetsberger, Christine Rottenbacher
  • Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU): Daniela Ecker, Erika Wagner
  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Stefan Mayr, Wolfgang Gurgiser, Michael Traugott, Leopold Füreder, Clemens Geitner, Johannes Rüdisser, Markus Aufleger
  • Veterinärmedizinische Universität Wien (VETMed): Richard Zink, Natalie Eder

weitere Beteiligte

  • Bundesforschungszentrum für Wald (BFW): Robert Jandl, Katharina Lapin
  • Umweltbundesamt (UBA): Josef Hackl
  • Universität Wien: Franz Essl

Literatur

Essl, F., Moser, D., Mildren, A., Gattringer, I., Banko, G., Stejskal-Tiefenbach, M., 2018. Naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume und Baulandwidmung in Österreich 46.

Eurostat, 2019. Land cover, 2015.png - Statistics Explained [WWW Document]. URL https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/ (accessed 7.18.19).

Independent Group of Scientists appoined by the Secretary-General, 2019. Global Sustainable Development Report 2019: The Future is Now – Science for Achieving Sustainable Development. United Nations, New York.

IPBES, 2019. Global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science- Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. E. S. Brondizio, J. Settele, S. Díaz, and H. T. Ngo (editors). IPBES Secretariat.

Umweltbundesamt, 2021. Flächeninanspruchnahme [WWW Document]. URL https://www.umweltbundesamt.at... (accessed 3.22.21).

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