/SDG 4: Hochwertige Bildung

Eine inklusive, gleichberechtigte und hochwerte Bildung ermöglichen und die Möglichkeiten eines lebenslangen Lernens für alle fördern

Icon SDG4

Leitung:

Franz Rauch
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Tel: +43 463 2700 6137
franz.rauch@aau.at


Lars Keller
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Tel: +43 512 507 2895
lars.keller@uibk.ac.at

Die Agenda 2030

Das 21. Jahrhundert ist von großen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, den sogenannten Grand Challenges geprägt. Neben den politischen Entscheidungsträger_innen sind auch alle anderen Teile der Gesellschaft, allen voran Wissenschaft und Bildung, angehalten, Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden, die zu einer umfassenden Transformation Richtung nachhaltiger und lebenswerter Zukunft beitragen. Voraussetzung hierfür ist die gemeinsame und aktive Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen, die zu tiefgreifenden Veränderungen im Denken und Handeln der Menschen führt.

Der globale Umweltwandel, inklusive der Klimakrise und der Ausbeutung bzw. Verunreinigung natürlicher Ressourcen, gefährden die Regenerations- und Tragfähigkeit der planetarischen Lebensgrundlagen. Ursache ist eine verschwenderische Kultur von 25 Prozent auf Kosten von 75 Prozent der Weltbevölkerung – und unter den Folgen der Klimaerwärmung werden vor allem jene zu leiden haben, die sie nicht verursacht haben. Die ungleiche Verteilung von Ressourcen in der Wirtschaft und auch der Macht nimmt weder in Nord-Süd-Perspektive noch innerhalb der einzelnen Länder ab. Im Gegenteil, sie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zusehends verschärft. Migrationsbewegungen und kriegerische Konflikte sind logische Folgen dieser Entwicklungen.

Bildung kann in hohem Maße dazu beitragen, gesellschaftliche Pfadwechsel zu entwickeln und zu unterstützen. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, muss sich das klassische Konzept von Bildung und damit unser gesamtes Bildungssystem an neuen Zielen nachhaltiger Entwicklung orientieren und zukunftsfähig neugestaltet werden.

Die Targets des SDG 4:*

4.1 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung abschließen, die zu brauchbaren und effektiven Lernergebnissen führt.

4.2 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung erhalten, damit sie auf die Grundschule vorbereitet sind.

4.3 Bis 2030 den gleichberechtigten Zugang aller Frauen und Männer zu einer erschwinglichen und hochwertigen fachlichen, beruflichen und tertiären Bildung einschließlich universitärer Bildung gewährleisten.

4.4 Bis 2030 die Zahl der Jugendlichen und Erwachsenen wesentlich erhöhen, die über die entsprechenden Qualifikationen einschließlich fachlicher und beruflicher Qualifikationen für eine Beschäftigung, eine menschenwürdige Arbeit und Unternehmertum verfügen.

4.5 Bis 2030 geschlechtsspezifische Disparitäten in der Bildung beseitigen und den gleichberechtigen Zugang der Schwachen in der Gesellschaft, namentlich von Menschen mit Behinderungen, Angehörigen indigener Völker und Kindern in prekären Situationen, zu allen Bildungs- und Ausbildungsebenen gewährleisten.

4.6 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Jugendlichen und ein erheblicher Anteil der männlichen und weiblichen Erwachsenen lesen, schreiben und rechnen lernen.

4.7 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.

4.a Bildungseinrichtungen bauen und ausbauen, die kinder-, behinderten- und geschlechtergerecht sind und eine sichere, gewaltfreie, inklusive und effektive Lernumgebung für alle bieten.

4.b Bis 2020 weltweit die Zahl der verfügbaren Stipendien für Entwicklungsländer, insbesondere für die am wenigsten entwickelten Länder, die kleinen Inselentwicklungsländer und die afrikanischen Länder, zum Besuch einer Hochschule, einschließlich zur Berufsbildung und zu Informations- und Kommunikationstechnik-, Technik-, Ingenieurs- und Wissenschaftsprogrammen, in entwickelten Ländern und in anderen Entwicklungsländern wesentlich erhöhen.

4.c Bis 2030 das Angebot an qualifizierten Lehrkräften unter anderem durch internationale Zusammenarbeit im Bereich der Lehrerausbildung in den Entwicklungsländern und insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern und kleinen Inselentwicklungsländern wesentlich erhöhen.

*Die Targets in kursiver Schrift werden vom UniNEtZ wissenschaftlich durchleuchtet und es werden hierzu Optionen zur Erfüllung dieses Targets bis 2030 erarbeitet. Das Target 4.2 wird nicht beachtet, da hierfür im UniNEtZ keine Expertise vorhanden ist.

Die Targets werden von folgenden Universitäten und Partnern bearbeitet: Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Donau-Universität Krems, forum n (Studierende), Hochschulbildung Global, Land Niederösterreich, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Medizinische Universität Graz, Musik und darstellende Kunst Wien, Österreichischer Austauschdienst, Universität für angewandte Kunst Wien, Universität für Bodenkultur Wien

Zur Situation in Österreich

Jüngste Berichte zeigen die positiven Entwicklungen der letzten Jahre von hochwertiger Bildung in Österreich auf. Zweifellos sind positive Tendenzen in der österreichischen Bildungslandschaft zu begrüßen. Allerdings muss festgehalten werden, dass in zahlreichen Bereichen noch erhebliches Entwicklungspotential steckt, welches im Folgenden kurz skizziert wird:

  • Einigkeit herrscht bei den Bildungsexpert_innen insofern, als dass nachhaltige, transformative Bildung für Österreich besonders relevant ist und diesbezüglich ein hoher Nachholbedarf vorliegt.
  • Wie der Nationale Bildungsbericht 2018 feststellt, sind Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit in Österreich alles andere als gesichert. Die österreichische Bildungslandschaft ist von hohen Bildungsdisparitäten geprägt.
  • Österreich weist im internationalen Vergleich einen relativ hohen Grad der sozialen Reproduktion von Bildungsungleichheiten auf.
  • Generell wird in Österreich eine nach wie vor mangelhafte wissenschaftliche Begleitung von Bildungsprozessen und Bildungskooperationen aller Art festgestellt.
  • Target 4b und 4c sehen vor, die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung von Entwicklungsländern im Bereich der Bildung auszubauen. In beiden Bereichen besteht akuter Handlungsbedarf auf österreichischer Ebene.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die aktuelle Situation dadurch gekennzeichnet ist, dass in vielen Bereichen noch beträchtliches Verbesserungspotential steckt. Ein kritischer Blick bei der Analyse der österreichischen Bildungslandschaft ist unabdingbar und zeigt einmal mehr die Relevanz und Dringlichkeit der Umsetzung von SDG 4 in Österreich.

Optionenliste

(basierend auf dem zu veröffentlichenden Optionenbericht)

Die durch die SDG-Gruppen ausgearbeiteten Optionen sollen als Vermittlung an die Bundesregierung fungieren, welche konkreten Optionen von Österreich gesetzt werden können, um die Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals umzusetzen. Der Optionenbericht wird am 02.12.2021 veröffentlicht.

  • Option 4.1: Etablierung und verstärkte Umsetzung von systemischen Lernkulturen, Lernmethoden und Lernzielen
  • Option 4.2: Verankerung von „ästhetischer Bildung“ in allen Bereichen des Bildungssystems
  • Option 4.3: Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung im bundesländerübergreifenden Bildungsrahmenplan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich
  • Option 4.4: Verankerung von Konzepten einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pädagog_innen in der Elementarpädagogik
  • Option 4.5: Lehrer_innenbildung für Nachhaltige Entwicklung
  • Option 4.6: Schaffung von projektorientierten Handlungs- und Reflexionsräumen für die Arbeit an realweltlichen Fallbeispielen im Kontext nachhaltiger Entwicklung
  • Option 4.7: Aufbau bzw. Weiterentwicklung von Rahmenbedingungen (Schulautonomie, Unterstützungssysteme und Netzwerke) für den Aufbau einer demokratischen, partizipativen Kultur an österreichischen Schulen zur Förderung von Frieden und nachhaltiger Entwicklung
  • Option 4.8: Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Bildungskonzepte für nachhaltige Entwicklung im digitalen Zeitalter
  • Option 4.9: An allen Hochschulen Nachhaltigkeitsstrategien partizipativ entwickeln und implementieren
  • Option 4.10: Bildungskonzepte für Nachhaltigkeit in allen Studienplänen an Universitäten und Hochschulen verankern
  • Option 4.11: Etablierung von BNE-Weiterbildungsprogrammen für Hochschullehrende an Universitäten und Hochschulen
  • Option 4.12: Stärkere Förderung und adäquate Unterstützung sowie erhöhte Sichtbarkeit von Erwachsenenbildung im Nachhaltigkeitskontext
  • Option 4.13: Stärkung von aktivem zivilgesellschaftlichen Engagement, kritischem Denken und Solidarität im Sinne nachhaltiger Entwicklung durch a) politische Bildung und b) BNE, Global Citizenship Education und andere Konzepte
  • Option 4.14: Systematische Förderung fachspezifischer Kompetenzen zur Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung in jedem Unterrichtsfach
  • Option 4.15: Multiplikation von Bildung einer nachhaltigen Entwicklung
  • Option 4.16: Transdisziplinäre Bildung – Gemeinschaftliches verantwortungsvolles Lernen zwischen Schüler_innen, Lehrer_innen und außerschulischen Akteur_innen
  • Option 4.17: MINDfulness (for) SUSTAINABILITY
  • Option 4.18: Entwicklung einer demokratischen Schulkultur auf Organisations-, Unterrichts-, und interpersoneller Ebene
  • Option 4.19: Stärkung von künstlerischer, gestalterischer und musikalischer Bildung im Elementar- und Grundschulunterricht sowie der Sekundarstufe 1 und 2
  • Option 4.20: Bewegung und Bewegtes Lernen als ergänzende Form des traditionellen Lernens ganzheitlich auf allen Bildungsebenen verankern – mit und durch Bewegung lernen

UniNEtZ-Netzwerk

Leitung

  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU): Franz Rauch
  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Lars Keller

Koordination

  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU): Caroline Weberhofer
  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Thomas Allmer

Mitwirkung

  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU): Daniel Barben, Alexander Brenner, Bettina Gruber, Gabriele Hadl, Renate Hübner, Horst Kanzian, Hans-Karl Peterlini, Agnes Turner, Martina Ukowitz, Kirsten von Elverfeldt
  • Donau-Universität Krems (DUK): Romana Bates, Andrea Ghonheim, Filiz Keser-Aschenberger
  • Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU): Erika Wagner
  • Karl-Franzens-Universität Graz (KFU): Filippina Risopoulos, Julia Wlasak
  • Kunstuniversität Graz: Michael Kahr
  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Veronika Deisenrieder, Martin Duer, Susanne Kubisch, Karin Oberauer, Sandra Parth
  • Medizinische Universität Graz: Simone Manhal
  • Montanuniversität Leoben (MUL): Elisabeth Lachner, Omar Szabo
  • Technische Universität Graz (TU Graz): Andrea Bernhard, Simon Malacek, Katharina Salicites
  • Universität für Angewandte Kunst Wien: Katharina Gsöllpointner, Martina Haselberger, Julia Herzog, Andrea Hubin, Bernhard Kernegger, Theresia Martinek, Maximilian Muhr, Silke Pfeifer, Alberta Sinani
    Universität für Bodenkultur Wien (BOKU): Lisa Bohunovsky, Franz Fehr, Verena Germann, Laura Hundscheid, Thomas Lindenthal, Sophia-Marie Rammler, Mirjam Weber
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW): Wilfried Aigner
  • Universität Mozarteum (MOZ): Eckart Moser
  • Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien): Christian Rammel

forum n / Studierende

  • Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU): Veronika Grissmaier, Magdalena Grill-Kiefer, Tom Handreck, Julia Hueter, Lisa Klimek, Stefanie Preiml, Lino Pschernig, Anca Ratiu, Lilia Schmalzl, Sarah Stachova
  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Franziska Allerberger, David Steinwender

Weitere Beteiligte

  • Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF): Karolina Begusch-Pfefferkorn, Susanne Buck,
    Stefan De Pasqualin, Elisabeth Doppler, Irene Gabriel, Irene Katzensteiner, Natalie Maukner
  • Geologische Bundesanstalt (GBA): Gregor Goetzl
  • Hochschulbildung Global: Margarete Kernegger
  • Katholische Pädagogische Hochschule Graz: Christiana Glettlera
  • Katholische Pädagogische Hochschule Wien: Georg Blaha
  • Land Niederösterreich: Margit Meister
  • NMS Scheiblingkirchen: Michael Giefing-Ungersboeck
  • Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE): Margarita Langthaler
  • Pädagogische Hochschule Kärnten: Josefine Scherling
  • Pädagogische Hochschule Oberösterreich: Regina Steiner
  • Pädagogische Hochschule Tirol: Barbara Benoist-Kosler, Thorsten Kosler, Helga Mayr, Anna Oberrauch
  • Zivilgesellschaft/UNESCO: Ricarda Motschilnig

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