/SDG 2: Kein Hunger

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Icon SDG2

Leitung:

Andreas Melcher
Universität für Bodenkultur Wien
Tel: +43 1 47654 16901
andreas.melcher@boku.ac.at

Kontakt:

Laura Hundscheid
Universität für Bodenkultur Wien
Tel: +43 1 47654 93413
laura.hundscheid@boku.ac.at

Die Agenda 2030

Das SDG 2 – Kein Hunger umfasst die Bekämpfung von Fehlernährung jeder Art (inklusive Hidden Hunger). Weltweit leiden immer noch rund 800 Millionen Menschen an Hunger. Noch viel mehr Menschen (auch im globalen Süden) ernähren sich von Lebensmitteln minderer Qualität, leiden unter Mangelernährung oder nehmen zu viel und ungesunde Nahrung zu sich. Eine ausreichende und nachhaltige Ernährung aller Menschen ist eine der größten globalen Herausforderungen, da unsere Ernährung nicht nur Einfluss auf unser individuelles Wohlergehen und unsere Gesundheit hat, sondern überschreitet die Art und Weise wie unser Ernährungssystem (Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Zubereitung und Konsum von Nahrungsmitteln) gegenwärtig organisiert ist die Belastungsgrenzen unseres Planeten.

Neben der Bekämpfung von Hunger, inkludiert das Ziel auch die Umsetzung einer nachhaltigen und resilienten Nahrungsmittelproduktion. Darüber hinaus werden nach dem Leitprinzip "leave no one behind" die Förderung einer verträglichen landwirtschaftlichen Produktivität in Ländern des globalen Südens und deren Gleichstellung am internationalen Agrarmarkt besonders betont. Das SDG 2 verknüpft soziale, ökonomische und ökologische Aspekte eines verantwortungsbewussten Konsums mit einer resilienten Nahrungsmittelproduktion auf nationaler und globaler Ebene miteinander. Ohne eine umfassende Transformation des nationalen und globalen Ernährungssystems („Great Food Transformation“) werden die Ziele des SDG 2 und eine Reihe weiterer SDGs nicht erreicht.

Im UniNEtZ SDG2 werden Optionen für eine solche Transformation des Ernährungssystems aus der Perspektive von Österreich erarbeitet.

Die Targets des SDG 2:*

2.1 Bis 2030 den Hunger beenden und sicherstellen, dass alle Menschen, insbesondere die Armen und Menschen in prekären Situationen, einschließlich Kleinkindern, ganzjährig Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln haben.

2.2 Bis 2030 alle Formen der Fehlernährung beenden, einschließlich durch Erreichung der international vereinbarten Zielvorgaben in Bezug auf Wachstumshemmung und Auszehrung bei Kindern unter 5 Jahren bis 2025, und den Ernährungsbedürfnissen von heranwachsenden Mädchen, schwangeren und stillenden Frauen und älteren Menschen Rechnung tragen.

2.3 Bis 2030 die landwirtschaftliche Produktivität und die Einkommen von kleinen Nahrungsmittelproduzenten, insbesondere von Frauen, Angehörigen indigener Völker, landwirtschaftlichen Familienbetrieben, Weidetierhaltern und Fischern, verdoppeln, unter anderem durch den sicheren und gleichberechtigten Zugang zu Grund und Boden, anderen Produktionsressourcen und Betriebsmitteln, Wissen, Finanzdienstleistungen, Märkten sowie Möglichkeiten für Wertschöpfung und außerlandwirtschaftliche Beschäftigung.

2.4 Bis 2030 die Nachhaltigkeit der Systeme der Nahrungsmittelproduktion sicherstellen und resiliente landwirtschaftliche Methoden anwenden, die die Produktivität und den Ertrag steigern, zur Erhaltung der Ökosysteme beitragen, die Anpassungsfähigkeit an Klimaänderungen, extreme Wetterereignisse, Dürren, Überschwemmungen und andere Katastrophen erhöhen und die Flächen- und Bodenqualität schrittweise verbessern.

2.5 Bis 2020 die genetische Vielfalt von Saatgut, Kulturpflanzen sowie Nutz- und Haustieren und ihren wildlebenden Artverwandten bewahren, unter anderem durch gut verwaltete und diversifizierte Saatgut- und Pflanzenbanken auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, und den Zugang zu den Vorteilen aus der Nutzung der genetischen Ressourcen und des damit verbundenen traditionellen Wissens sowie die ausgewogene und gerechte Aufteilung dieser Vorteile fördern, wie auf internationaler Ebene vereinbart.

2.a Die Investitionen in die ländliche Infrastruktur, die Agrarforschung und landwirtschaftliche Beratungsdienste, die Technologieentwicklung sowie Genbanken für Pflanzen und Nutztiere erhöhen, unter anderem durch verstärkte internationale Zusammenarbeit, um die landwirtschaftliche Produktionskapazität in den Entwicklungsländern und insbesondere den am wenigsten entwickelten Ländern zu verbessern.

2.b Handelsbeschränkungen und -verzerrungen auf den globalen Agrarmärkten korrigieren und verhindern, unter anderem durch die parallele Abschaffung aller Formen von Agrarexportsubventionen und aller Exportmaßnahmen mit gleicher Wirkung im Einklang mit dem Mandat der Doha-Entwicklungsrunde.

2.c Maßnahmen zur Gewährleistung des reibungslosen Funktionierens der Märkte für Nahrungsmittelrohstoffe und ihre Derivate ergreifen und den raschen Zugang zu Marktinformationen, unter anderem über Nahrungsmittelreserven, erleichtern, um zur Begrenzung der extremen Schwankungen der Nahrungsmittelpreise beizutragen

*Alle Targets werden von folgenden Universitäten bearbeitet: Universität für Bodenkultur Wien

Zur Situation in Österreich

Im Jahr 2050 müssen sich rund 10 Milliarden Menschen durch eine nachhaltige Landwirtschaft ernährt können. Obwohl sich im vergangenen Jahrzehnt die Ernährungssituation in vielen Ländern verbessert und die Nahrungsmittelproduktion mit dem Zuwachs der Weltbevölkerung Schritt gehalten hat, stieg die Zahl der an Hunger leidenden Menschen während der letzten drei Jahre wieder an. In Österreich sowie in anderen mitteleuropäischen Ländern ist nach wie vor ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung von Unterernährung betroffen, jedoch muss der Ernährungsstil in den Industrieländern als problematisch und als nicht nachhaltig bezeichnet werden. Fehlernährungen – zu hoher Fettkonsum, daraus resultierende Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewichtigkeit u.a. durch zu hohen Fleischkonsum – sind nur einige der Ursachen. Auch wenn es in Österreich offiziell keinen Hunger gibt, müssen sensible Folgeerscheinungen falscher / mangelhafter Ernährung, wie krankheits- und altersassoziierte Mangelernährung oder Fehlernährung in armutsgefährdeten Gesellschaftsschichten intensiver in den Blick genommen werden. Denn Fehl- und Mangelernährung (inkl. Übergewichtigkeit) korrelieren mit den niedrigen Einkommensklassen.

Die landwirtschaftliche Produktion in Österreich wird stets in einem weitestgehend positiven Bild dargestellt, jedoch bestehen einige Schwachpunkte, wie z.B. die Abnahme der Bodenfruchtbarkeit, Bodenversiegelung, Biodiversitätsverluste, Abhängigkeit von fossiler Energie, Treibhausgasemissionen sowie starke Beeinträchtigung durch klimatische Veränderungen und viele mehr.

Der Ernährungsstil, die menschliche Gesundheit und die ökologische Nachhaltigkeit im globalen Maßstab sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne radikale Transformation des globalen Ernährungssystems („Great Food Transformation“) riskiert die Welt, die Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) und des Pariser Klimaabkommens zu verfehlen.

Optionenliste

(basierend auf dem zu veröffentlichenden Optionenbericht)

Die durch die SDG-Gruppen ausgearbeiteten Optionen sollen als Vermittlung an die Bundesregierung fungieren, welche konkreten Optionen von Österreich gesetzt werden können, um die Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals umzusetzen. Der Optionenbericht wird am 02.12.2021 veröffentlicht.

  • Option 2.1: "Protein Transition": Deutliche Reduktion des Fleischkonsums, gleichzeitig gesteigerter Konsum von pflanzlichen Proteinen
  • Option 2.2.: Reduktion der Fehlernährung (Mangelernährung, Überernährung) und Unterernährung auch im globalen Kontext
  • Option 2.3: Deutliche Reduktion der vermeidbaren Lebensmittelabfälle
  • Option 2.4: Verstärkte Förderung der Biologischen Landwirtschaft (gemäß EU VO 834/2007 und 889/2008)
  • Option 2.6: Ökologisierung des Grünlandes
  • Option 2.7: Nachhaltige Regionalentwicklung – Nachhaltigkeits-Perspektiven für den ländlichen Raum
  • Option 2.8: Krisensicherung der Ernährung und Landwirtschaft - Sicherung einer ausgewogenen, langfristigen Eigenversorgung mit Lebensmitteln durch eine nachhaltige Lebensmittelwertschöpfungskette
  • Option 2.9: Beitrag Österreichs zur globalen Ernährungssicherheit und einer resilienten Landwirtschaft
  • Option 2.10: Lokales Wissen im Bereich regionaler/standortangepasster Landwirtschaft erhalten, austauschen und weiterentwickeln

UniNEtZ-Netzwerk

Leitung

  • Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Entwicklungsforschung (BOKU): Andreas Melcher

Mitarbeiter_innen

  • Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Entwicklungsforschung (BOKU): Laura Hundscheid, Margit Schnerb, Charlotte Voigt (Studentin)
  • Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Entwicklungsforschung (BOKU) und Universität Wien: Daniela Bergthaler (Studentin)
  • Universität für Bodenkultur Wien, Zentrum für Globalen Wandel (BOKU): Thomas Lindenthal

Mitwirkung

  • Paris-Lodron-Universität Salzburg, Arbeitsgruppe Sozialgeographie (PLUS): Andreas Koch, Meike Bukowski
  • Veterinärmedizinische Universität Wien, Institut für Lebensmittelsicherheit, Lebensmitteltechnologie und Öffentliches Gesundheitswesen: Hermann Schobesberger

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