/SDG 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

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Leitung:

Eva-Maria Stadler
Universität für angewandte Kunst Wien
Tel: +43 71133 3541
eva-maria.stadler@uni-ak.ac.at

Kontakt:

Friedrich Hinterberger
Universität für angewandte Kunst Wien
Tel: +43 699 507 19690728
friedrich.hinterberger@uni-ak.ac.at

Die Agenda 2030

Wirtschaftswachstum ist ein von der österreichischen Politik oft und weitgehend unbestritten formuliertes Ziel, überraschenderweise aber nicht sehr präsent im aktuellen Regierungsprogramm, wo das Wort „Wachstum“ nur dreimal vorkommt. Dabei ist zu diskutieren, wie hoch den österreichischen Gegebenheiten angemessenes pro-Kopf-Wirtschaftswachstum, wie es im SDG heißt, sein soll. Als Antwort auf diese Frage wird eine alternative Zielformulierung vorgeschlagen: Die österreichische Wirtschaft sollte in einem Ausmaß wachsen, in dem das Wachstum sich positiv auf die Lebensqualität der Menschen auswirkt, ökologische Grenzen berücksichtigt und im Sinne einer globalen Verantwortung Raum für noch nicht industrialisierte Länder lässt.

„Produktivität“, die in den Targets 8.2 und 8.4 angesprochen wird, beschreibt den Zusammenhang zwischen Input (eingesetzter Produktionsfaktor) und Output (Ergebnis der Produktion). Je nach Produktionsfaktor sprechen wir von Arbeitsproduktivität, Kapitalproduktivität, Bodenproduktivität oder Ressourcenproduktivität.

Voll-Beschäftigung ist eines der wichtigsten Ziele der österreichischen Wirtschaftspolitik. Wenn in Target 8.5 das Thema “Voll”-Beschäftigung angesprochen wird, gilt es zu konkretisieren, worauf sich “voll” bezieht. Dabei geht es um die Anzahl der Menschen, die einer Beschäftigung nachgehen, aber auch um die Zeit, die jeweils (pro Woche, pro Jahr, im Leben) gearbeitet wird.

Mit den Begriffen "Care" und "Care Work" werden Beziehungen, Tätigkeiten und Arbeiten in der Selbst- und Fürsorge bezeichnet, die der individuellen und gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens dienen und alltäglich wie biografisch besonders erforderlich sind und daher heute oft als systemrelevant bezeichnet werden.

Die Targets des SDG 8:*

8.1 Ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum entsprechend den nationalen Gegebenheiten und insbesondere ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mindestens 7 Prozent in den am wenigsten entwickelten Ländern aufrechterhalten

8.2 Eine höhere wirtschaftliche Produktivität durch Diversifizierung, technologische Modernisierung und Innovation erreichen, einschließlich durch Konzentration auf mit hoher Wertschöpfung verbundene und arbeitsintensive Sektoren

8.3 Entwicklungsorientierte Politiken fördern, die produktive Tätigkeiten, die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze, Unternehmertum, Kreativität und Innovation unterstützen, und die Formalisierung und das Wachstum von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen unter anderem durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen begünstigen

8.4 Bis 2030 die weltweite Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion Schritt für Schritt verbessern und die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltzerstörung anstreben, im Einklang mit dem Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, wobei die entwickelten Länder die Führung übernehmen

8.5 Bis 2030 produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle Frauen und Männer, einschließlich junger Menschen und Menschen mit Behinderungen, sowie gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit erreichen

8.6 Bis 2020 den Anteil junger Menschen, die ohne Beschäftigung sind und keine Schul- oder Berufsausbildung durchlaufen, erheblich verringern

8.7 Sofortige und wirksame Maßnahmen ergreifen, um Zwangsarbeit abzuschaffen, moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden und das Verbot und die Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit, einschließlich der Einziehung und des Einsatzes von Kindersoldaten, sicherstellen und bis 2025 jeder Form von Kinderarbeit ein Ende setzen

8.8 Die Arbeitsrechte schützen und sichere Arbeitsumgebungen für alle Arbeitnehmer, einschließlich der Wanderarbeitnehmer, insbesondere der Wanderarbeitnehmerinnen, und der Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, fördern

8.9 Bis 2030 Politiken zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus erarbeiten und umsetzen, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Kultur und lokale Produkte fördert

8.10 Die Kapazitäten der nationalen Finanzinstitutionen stärken, um den Zugang zu Bank-, Versicherungs- und Finanzdienstleistungen für alle zu begünstigen und zu erweitern

8.a Die im Rahmen der Handelshilfe gewährte Unterstützung für die Entwicklungsländer und insbesondere die am wenigsten entwickelten Länder erhöhen, unter anderem durch den Erweiterten integrierten Rahmenplan für handelsbezogene technische Hilfe für die am wenigsten entwickelten Länder

8.b Bis 2020 eine globale Strategie für Jugendbeschäftigung erarbeiten und auf den Weg bringen und den Globalen Beschäftigungspakt der Internationalen Arbeitsorganisation umsetzen

*Alle Targets werden vom UniNEtZ wissenschaftlich durchleuchtet und es werden hierzu Optionen zur Erfüllung dieses Targets bis 2030 erarbeitet.

Zur Situation in Österreich

„Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern“ lautet die deutsche Formulierung dieses Ziels. Die beiden Themen „menschenwürdiger Arbeit“ und „Wirtschaftswachstum“ interagieren sehr stark mit allen andern in den SDGs angesprochen Themen. Besonders wichtig sind dabei die Zusammenhänge mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit (SDGs 12, 13, 15) einerseits sowie Verteilungsfragen (SDGs 1 und 10) andererseits.

Das Wirtschaftswachstum der letzten sechs Jahrzehnte war historisch eine absolute Ausnahme. Während sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den letzten 60 Jahren vervierfachte, ist die gegenwärtige Wachstumsschwäche nicht allein mit der aktuellen Situation zu erklären sondern spiegelt eine langfristig rückläufige Entwicklung wieder.

Die Kehrseite der steigenden Wirtschaftsleistung bildet der Ressourcenverbrauch, der in Österreich deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt. Die etwa sieben Milliarden Stunden Erwerbsarbeit, die in Österreich jährlich geleistet werden, verteilen sich sehr ungleich auf die Bevölkerung. Während pro Erwerbstätigem im Schnitt etwa im Ausmaß eines Vollzeit-Jobs gearbeitet wird, machen die sieben Milliarden Stunden pro Kopf der Bevölkerung im Durchschnitt nur etwa 10 Wochenstunden aus. Dem gegenüber steht, dass die meisten Menschen neben Erwerbsarbeit in höchst unterschiedlichem Ausmaß auch unbezahlte Arbeit leisten: von Kindererziehung und Pflege bis zum Engagement in zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Fridays for Future. Der Anteil von jungen Menschen, die weder in Ausbildung noch Erwerbsarbeit sind, ist dabei im europäischen Vergleich relativ gering.

Optionenliste

(basierend auf dem zu veröffentlichenden Optionenbericht)

Die durch die SDG-Gruppen ausgearbeiteten Optionen sollen als Vermittlung an die Bundesregierung fungieren, welche konkreten Optionen von Österreich gesetzt werden können, um die Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals umzusetzen. Der Optionenbericht wird am 02.12.2021 veröffentlicht.

  • Option 8.1: Neue Messung des Fortschritts beyond GDP
  • Option 8.2: Investitionsprogramm zur Bewältigung der Covid-19-Wirtschaftskrise
  • Option 8.3: „Faktor X“: Verbesserung der Ressourceneffizienz durch steuerliche und regulatorische Maßnahmen
  • Option 8.4: Ausstieg aus transatlantischen Sojaimporten, Reduktion von Schweinefleischproduktion, -konsum und -abfall
  • Option 8.5: Lebens-Vollerwerbsarbeitszeitumverteilung: Verkürzung auf 50.000 h als Grundlage für eine Umverteilung von Arbeit (incl. Care Arbeit)
  • Option 8.6: Umgestaltung von Care und Care Work
  • Option 8.7: Bildung ist die neue Arbeit, Arbeit ist die neue Bildung

UniNEtZ-Netzwerk

Leitung

  • Universität für Angewandte Kunst Wien, Institut für Kunst und Gesellschaft:
    Eva-Maria Stadler

Koordination

  • Universität für Angewandte Kunst Wien, Institut für Kunst und Gesellschaft:
    Friedrich Hinterberger

Mitarbeiter_innen

  • Universität für Angewandte Kunst Wien, Institut für Kunst und Gesellschaft: Nathalie Spittler, Birte Strunk, Jenni Tischer, Lisa-Marie Weidl, Christine Böhler, Maximilian Muhr, Ulrike Payerhofer, Bernhard Kernegger, Astrid Poyer, Konrad Strutz

Mitwirkung

  • Johannes-Kepler-Universität Linz, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (JKU): Ernst Langthaler, Sofie Pfannerer-Mittas, Jonas Marian Albrecht, Franziskus Forster
  • Johannes-Kepler-Universität Linz, Institut für Soziologie (JKU): Brigitte Aulenbacher, Fabienne Décieux, Valentin Fröhlich,
    Florian Pimminger

forum n / Studierende

  • Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (UIBK): Alexander Hanser

Weitere Beteiligte

  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU): Margit Scherb

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